(von thomas thaler)
Diana McCarty: "We have a theme kind of behind faces that we are not doing social work but we are working socialy, und ich glaube das ist auch gut fürs Lab."
Herbert Meyer: "Der Sinn und Zweck vom Bootlab e.V. ist Vernetzung von Projekten, also wir sind auf dieser Metaebene zu gang, wir wollen Synergie erzeugen die zwischen den verschiedenen Projekten fließt."
Pit Schultz: "Mich wundert, dass nicht mehr Leute so was machen auf verschiedenen Ebenen, dass halt immer noch viele Leute in diesem Bereich versuchen den offiziellen Weg zu gehen, dabei gibt es den gar nicht so weil sich eh immer alles neu definiert, umdefiniert."
Berlin Mitte. Unweit der schicken neuen Friedrichstraße, und unweit der Touristenmeile zwischen Hackerschen Höfen und Kunsthaus Tacheles, gibt es Inseln, wo das Berlin der frühen 90er Jahre noch spürbar ist.
Die Ziegelstrasse vermittelt noch typischen Ostcharme, mit holprigem Straßenbelag und schlechter Beleuchtung. Spät Abends findet man hier oft Trauben von Menschen, die darauf warten ins WMF einem der trendigsten Clubs der Stadt eingelassen zu werden. Das große ehemalige Postgelände in dem sich der Club befindet, steht als dunkle Masse in der Nacht und wartet wie vieles hier noch auf seine Sanierung. Gleich neben dem WMF schließen sich ebenerdig die Räume des
bootlab an.
Pit Schultz: "Wir sind jetzt gerade in dem Serverraum vom bootlab e.V. und wir sehen vor ums zwei Modems, das sind DSL-Modems, und hier sehen wir grüne tanzende Lichter, man würde sagen es funzt, und wir haben hier eine Verbindung über 512 Kb pro Sekunde in beide Richtungen, das reicht aus um die Leute hier zu versorgen mit dem Internet-Protokoll. Bei uns ist der Upstream gleich dem Downstream, wir haben in beide Richtungen ein ausgewogenes Verhältnis wie sich das für Datenleitungen in Datennetzen auch gehört. Also dieses ADSL haben wir hier halt nicht, fast aus politischen Gründen, wir wollen halt mit der gleichen Menge hoch laden können wie wir downloaden."
Herbert Meyer beginnt seine Führung durch´s bootlab im Serverraum. Die Nabelschnur zum Rest der Welt ist sozusagen die Ressource um die herum das Lab aufgebaut wurde. Die praktische Notwendigkeit sich zur Nutzung einer fetten Leitung zusammenzuschließen, ist allerdings längst Geschichte. Auch in Deutschland gibt es inzwischen für jedermann die Möglichkeit sich über ADSL eine breitbandige Internetanbindung nach Hause zu holen.
Herbert Meyer: "Ja, dann haben wir hier noch unseren Server, der also sehr, sehr fett ist, der sehr gut ausgestattet ist, vom Plattenplatz her, denn wir benutzen diesen Server für die Gruppe auch als Zwischenlager hier lagern wir auch Dateien zwischen, die dann von vielen verschiedenen Leuten gleichzeitig benutzt werden können."
Im wesentlichen ist das bootlab ein großer Raum. Neben dem Eingang findet sich eine Sitzgruppe mit Sofas, der Rest des Raumes ist locker mit Tapeziertischen und allen Arten von Arbeitsplatten bestückt und natürlich mit jeder Menge Rechnern. Seit Juni 2000 wird hier gearbeitet. Zur Zeit beherbergt das bootlab knapp dreißig Projekte.
Sebastian Lütgert: "Also ich glaube das Boot-Lab war vor allem was total notwendiges zu dem Zeitpunkt wo wir´s gegründet haben, weil wir sicherlich seit einem Jahr mit der Idee schwanger gingen und nach Räumen geschaut haben, und weil glaube ich der grundlegende Impuls der dazu geführt hat, dass sich die Leute hier zusammengetan haben, der war, das all diese Leute keine Lust mehr hatten, alleine zu Hause zu arbeiten. Und ich glaube, dass die Leute die mit Internet gearbeitet haben, von denen die am Anfang dabei waren, auch schon so lange damit zu tun hatten, dass sie wussten, dass man zum Netz immer auch irgendeine Form von öffentlichem Raum braucht, weil es sonst gar keinen Sinn macht."
Pit Schultz: "Das bootlab hat sich eigentlich entwickelt aus mikro e.V., mikro, war eher so ein Veranstaltungskonzept, um einen internationalen Mediendiskurs auch auf der lokalen Ebene zu vertreten und voranzubringen, um eben von diesem ganzen Globalisierungs-Hype auch wegzukommen."
Sebastian Lütgert und Pit Schultz sind Gründungsmitglieder des Labs, und waren vorher auch beim Verein
micro aktiv Mikro war in den letzten Jahren ohne Zweifel eine zentral Institution der Berliner Medienkultur-Szene. Über zweieinhalb Jahre wurden sehr erfolgreich mikro-Lounges veranstaltet. Obwohl nur über Mailinglisten angekündigt, kamen regelmäßig ein paar hundert Leute. Von der Kryptographie bis zur Netzkunst. reichten die Themen, formal waren die Lounges durch einführende Videos, themenbezogene Projektionen und anschließende DJ-Lines geprägt.
Pit Schultz: "Dann hat sich aber gezeigt für viel, dass der ganze Produktionsbereich, der wirkliche Arbeitsbereich, das alltägliche vor dem Computer sitzen da auch noch gefehlt hat, das war halt alles sehr diskursiv gedacht, und so hat sich ein Teil von mikro hier verortet, um konkret eben Projekten nachzugehen. Also richtig zu programmieren oder Webseiten zu basteln, oder einfach nur Erfahrungen zu teilen, und jetzt die Computerkultur nicht im theoretischen sondern im praktischen zu realisieren.
Sven Gareis: "Ich bin noch nicht lange im bootlab, erst seit vier Monaten, ich bin durch Freunde darauf gestoßen und ich fand das toll, dass im bootlab so viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen, die sich irgendwie mit Computertechnik speziell Internet auseinandersetzen. Und ich verstehe mich auch als Schnittstelle zwischen Kunst und Technik ich bin Programmierer und Videokünstler, ich baue Videoinstallationen die interaktiv sind, und das neueste Projekt ist eben ein VJ-Tool das in Echtzeit den Sound analysiert."
Sven Gareis ist Teil von
monitor.automatique, einem VJ-Duo. Im Takt der Musik immer die gleichen Knöpfe zu drücken, wurde mit der Zeit langweilig. Und so begann er vor circa drei Jahren an pixmix zu arbeiten. Heute ist das Tool beim Mixen eine große Hilfe. Man kann damit Material arrangieren und übereinander legen, und das alles in Echtzeit.
Sven Gareis: "Es ist eben so ein Stand, ich will das Programm Open-Source stellen, in drei Monaten oder so, wenn ich entschlossen habe dass es so weit übergeben werden kann, und freu mich darauf wenn Leute auch ein Interesse haben, daran weiter zu arbeiten, ja."
Unter Linux gibt es bis jetzt ein vergleichbares freies Software-Projekt. pixmix ist das Erste, das für den Mac geschrieben wurde. Der wichtigste Grund für Sven Gareis aus seinem Programm ein Open-Source-Projekt zu machen, ist die Hoffnung, dass dadurch auch gute Ideen von anderen einfließen werden.
Um freie Software geht es auch in einem anderen Projekt an dem im bootlab intensiv gearbeitet wird. Die "Freien Online Systeme" kurz
FOS, die von der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung finanziert werden.
Herbert Meyer: "FOS will erst mal Open-Source-Software, also Software wo der Quellcode offen ist, zur Verfügung stellen, will diese Open-Source-Software auch demonstrieren, sie soll einfach erfahren werden können, ausprobiert werden können, und FOS möchte als drittes dann noch diese Open-Source-Software bewerten, um Handlungsempfehlungen aussprechen zu können."
Herbert Meyer ist Psychologe und beschäftigt sich mit Usability-Forschung. Vielleicht wird aus FOS einmal ein größeres Projekt, eine Anlaufstelle für alle Klassen freier Software. Vorerst geht es aber um Webapplikationen - Onlinesysteme - eben um alles was das netzgestützte Zusammenarbeiten von Gruppen ermöglicht. Tools für Chatsyteme fallen darunter, oder Webmailprogramme, aber auch komplette Content-Management-Systeme oder Weblogs.
Herbert Meyer: "Ja und auf der Website die wir gerade in Arbeit haben wird man dann ganz komfortabel auf diese einzelnen Systeme zugreifen können, und dann hat man einen Link auf eine Demonstration, wo man sich diese Anwendung sozusagen in vivo anschauen kann, ausprobieren kann, und wenn man noch mehr machen möchte kann man in den Testbereich gehen, und da kann man dann die Software sozusagen richtig austesten, und das führt dann dazu, dass die Systeme später untereinander verglichen werden können."
FOS hat nicht nur den Sinn, den Schatz an vorhandener freier Software leichter zugänglich zu machen. Die gesammelten Ergebnisse der Onlinetester werden zur Grundlage für ein Bewertungssystem, das auch dazu beitragen soll, freie Software besser zu machen.
Denn das mangelnde Bewusstsein der Endwickler für Benutzerfreundlichkeit, ist eines der Hindernisse für die Verbreitung freier Software.
Herbert Meyer: "Die Zeit ist nicht fern, dass Software halt nicht nur funktionieren muss, nicht nur schnell funktionieren muss, sondern sie muss auch so funktionieren, dass es Spaß macht sie zu benutzen, und da müssen viele Endwickler erst mal dazu getrieben werden, diese Einsicht ist noch nicht unbedingt gegeben, und wenn wir bei FOS klar machen können, von den vier Systemen funktionieren eigentlich alle ganz gut, aber dieses eine macht viel mehr Spaß als die Anderen, dann könnte das der Anreiz sein für die Endwickler, zu kucken, warum macht das mehr Spaß, und ihre Systeme eben dementsprechend zu verbessern."
Ariane Müller: "Also es sind ja viele Veranstaltungen hier schon populär gewesen, und das war dann auch ein Grund warum wir gesagt haben wir brauchen einen eigenen Veranstaltungsraum. Weil das halt irgendwie diese Arbeits-Atmosphäre hier drinnen gesprengt hat, und im Prinzip denke ich, dass es das hier haben muss."
Öffentlichkeit gehört im Bootlab zum Konzept. Es geht nicht nur darum sich untereinander auszutauschen, das Lab soll immer auch nach außen offen bleiben.
Als Ariane Müller mit anderen ein Kinoprojekt
Kinoprojekt startete, war das Anstoß einen Veranstaltungsraum anzumieten, direkt neben dem Lab.
Ariane Müller: "Es gab eine Filmgruppe, teilweise waren das Leute die hier schon gearbeitet haben, teilweise Leute die schon lange in diesem Filmbereich arbeiten, und wir haben uns dann hier halt eingemietet, weil wir einen Kinoraum betreiben wollten, der ja eigentlich mehr ein Projektionsraum ist, weil wir gesagt haben, das soll ja Formen, des einfachen Kinos wo ein Film gezeigt wird überschreiten, in dem man Leute einladen kann, in dem man zum Beispiel ganz andere Formen von Projektionen macht."
Im sogenannten Raum 3 neben dem Lab gibt es regelmäßig jeden Samstag Vorführungen. Neben Produktionen aus dem klassischen Independentfilm -Bereich werden dabei auch viele Arbeiten gezeigt, die sonst eher in Ausstellungen und Galerien zu sehen sind. Viele Künstler, die in ihrer Arbeit Projektionen verwenden, nützen die Gelegenheit, diese auch einmal in einem normalen Programmablauf zu präsentieren. Die Möglichkeit Veranstaltungen zu organisieren, werden auch von den anderen Projekten im Lab zunehmend genutzt. Es gibt öffentliche Präsentationen, LAN-Partys, und auch Workshops sind geplant.
Diana McCarty: "Es sind zwei Pläne, einer ist mit einem DJ hier vom WMF, Manuela Krause, sie hat große Lust einen Workshop für Frauen, für junge DJanes über Traktor und verschiedene DJ-Tools zu machen, und dann gibt es vielleicht noch einen einwöchigen Kurs über NATO, ja, das ist ein Startpunkt."
Diana McCarty kommt aus New Mexiko, lebt schon lange in Europa, zuhause ist sie im Netz. Bald wird es ein breiteres Programm geben, sowohl Kurse speziell für Frauen als auch solche die für alle offen sind. Das Angebot ist nicht auf Profit ausgerichtet, dennoch sind alle Workshops kostenpflichtig, damit die Teilnehmer die Sache auch ernst nehmen.
Das Verhältnis zwischen kommerzieller und nichtkommerzieller Tätigkeit wird im bootlab eigentlich pragmatisch gesehen. Die meisten Projekte verfolgen dezidiert keine finanziellen Interessen, aus anderen könnte vielleicht einmal eine Firma werden.
Oliver Stern: "Der erste Grund warum jemand hier hinkommt, ist erst mal der thematische, man sieht hier passieren Kulturprojekte, die schwerpunktmäßig im Bereich Kunst oder im Bereich Internet stattfinden, und man möchte sich hier ansiedeln, beziehungsweise man möchte das Know-how der anderen nutzen, das ist eigentlich der entscheidende Punkt. Das Zweite ist natürlich der monetäre Grund, dass man sagt, o.k. es ist nicht nur toll, dass man hier viel Know-how mitbekommt, sondern ich muss gar nicht viel Geld dafür hinlegen und hab gleichzeitig eine Motivation, weil ich sehe ich mach was total Abgedrehtes, das machen aber andere auch, das inspiriert natürlich ungemein."
Oliver Stern macht die administrative Arbeit für den Verein bootlab. Er bemüht sich gerade darum, für das Lab den in Deutschland sehr wichtigen Status der Gemeinnützigkeit zu erlangen. Um das nicht zu gefährden, müsste ein Projekt das zur Firma wird, sich einen Firmensitz außerhalb des bootlabs suchen. Und eines ist sicher, mit dem Begriff "Startup" möchte man hier auf keinen Fall in Zusammenhang gebracht werden.
Herbert Meyer: "Wir sind auf keinem Fall eine Startup-Fabriksanlage, wo Startups quasi geboren werden, die dann mächtig Geld einfahren, sondern wenn hier kommerzielle Projekte gefördert werden, dann sind das ganz spezielle Projekte, und sobald die in die Gewinnzone kommen werden sie auch nicht mehr im bootlab toleriert werden können, und da haben wir auch nur zwei oder drei Projekt die in dieser Hinsicht orientiert sind, die meisten Projekte die hier angesiedelt sind, sind nicht ökonomisch orientiert, sondern haben einen medienkulturellen Hintergrund."
Klubradio heißt eines der Projekt mit denen Wavelab bald enger kooperieren könnte. Über Wireless LAN ließe sich das Programm des Internetsenders drahtlos broadcasten, und somit "richtiges" Radio machen.
Pit Schultz: "Klubradio steckt schon im Namen basiert auf der Metapher, dass Radio im Netz funktioniert, es ist also quasi nicht echtes Radio, nicht mit terrestrischen Sendern, sonder packetbasiert, eben über IP und ist dann aber weltweit empfangbar, das heißt wir haben Hörer in Japan, in Kanada, in der Türkei, in Skandinavien, überall, die sich ganz gut auskennen, die ihre Vorlieben haben, was DJs angeht und bestimmte Labels und Acts und so, aber sonst nie die Möglichkeit haben, genau das zu hören was jetzt gerade in Berlin läuft."
Übertragen auf traditionelle Medien ist das Klubradio für Pit Schultz ein typischer Spartenkanal. Es bietet ein sehr eingeschränktes Angebot, dafür aber auf hohem Niveau. Neben dem angrenzenden WMF wird aus drei weiteren Berliner Clubs das komplette Programm live übertragen, teilweise auch mit Videotracks. Im Hintergrund arbeitet fix installierte Technik, die automatisch sendet und auch automatisch archiviert. Nachgedacht wird bereits über andere Verbreitungsmöglichkeiten als das Internet. Via herkömmlichem Radio oder Fernsehen, oder eben über W-LAN. Die Pläne scheitern im Moment aber mehr an urheberrechtlichen als an technische Hürden, und an den Mediengewohnheiten.
Pit Schultz: "Das ganze Entkundeninterphase wie man so schön sagt, das ist noch nicht klar, am PC ist Netzradio immer noch eine Option unter vielen, und das Interphase von so einem windowsbasiertem Bildschirm ist nicht das was man mit Musikkonsum oder einer Cluberfahrung verbindet, also da muss noch das Wohnzimmer quasi erobert werden, und das ist glaube ich noch ein längerer Prozess, ein kultureller Wandlungsprozess wo Leute eben entdecken, dass sie ihren PC auch als Radio benutzen können und nicht davor sitzen müssen, die ganze Zeit.
Gerriet Schultz: "bootlab ist ein extrem wichtiger Input auch fürs WMF ob das jetzt Klubradio ist, also diese ganze Streaminggeschichte oder Radiogeschichte, dann bis hin zu Webdesign, einfach in der Diskussion bleiben, diesen Crossover hinzukriegen, mit den digitalen Medien, was ja dann auch immer mehr auf die Musik durchschlägt."
Das
WMF, für das Gerriet Schultz spricht, gehört zu den wichtigsten Clubs in Berlin, wenn es um House und generell um elektronische Musik geht. Mit WMFrec gibt es auch ein eigenes Label. Für das bootlab ist das WMF nicht nur der Draht zur Clubkultur sondern gewissermaßen der Immobilien-Scout. Das WMF ist in den letzen Jahren schon mehrmals umgezogen. Es gehört zum Konzept, dass die Betreiber jedes Mal wenn sie irgendwo eingezogen sind, sich gleich wieder auf die Suche begeben. Um das nächsten Objekt zu finden, das sich für eine Zwischennutzung anbieten könnte. Das ermöglicht beste Lagen zu erschwinglichen Preisen zu erschließen. Auch für andere wie zum Beispiel eben das bootlab. Beim nächsten Umzug soll das Lab auf jeden Fall mitziehen.
Gerriet Schultz: "Es geht erst mal darum, dass man zusammenarbeitet, weil man eine ähnliche Idee hat wie man arbeitet, eben offen ist, das sind auch alles Quereinsteiger, die einen bestimmten Lebensstiel pflegen, auch gerne mal zusammen feiern, aber darüber hinaus geht es auch ganz konkret um Jobs, das heißt, wir können zum Beispiel Jobs an Klubradio vermitteln, es geht aber auch darum, dass der Club eine Austauschplattform ist, dass die Leute die drüben im bootlab arbeiten hier einfach auch als Gäste da sind, als interessante Gesprächspartner sag ich mal, und sich hier auch wohlfühlen."
Clubkultur gibt es nicht nur im WMF. Im Raum 3 im Lab wird die aktuelle Ausgabe der Kunstzeitschrift Starship präsentiert. An den Wänden gibt es ein kleine Ausstellung. Der Raum wird von Projektionen beleuchtet. Auf Multifunktionsquadern aus unbehandelter Pressspanplatte sitzen Leute und blättern in der druckfrischen Zeitschrift.
Ariane Müller: "Starship ist im Prinzip eine normale Zeitschrift, die dennoch, was in einer Zeitschrift nicht so drinnen liegt relativ unregelmäßig erscheint, sie wird zum Teil hier gemacht, und zum Teil haben wir auch noch eine eigene Redaktionsadresse, es finanziert sich im Prinzip über Anzeigen, und über den Verkauf, und durch diese Art, dass es vor allem auch Leute schreiben, die sonst auch ganz andere Projekte machen, ist es so, dass es eher nur so zweimal im Jahr erscheinen kann."
Ariane Müller ist eine der Redakteurinnen von Starship. Die Zeitschrift vereinigt künstlerische Beiträge und längere theoretische Texte. Am 14. Februar. wird Starship auch in Wien in der Kafe Bar in der Schleifmühlgasse präsentiert.
Die Party ist ziemlich gut besucht, bald herrscht im Raum 3 dichtes Gedränge. Wer bis jetzt im bootlab gearbeitet hat schließt sich an.
Sebastian Lütgert: "Ja, das ist zum gleichen Teil glaube ich paradiesisch und eine Hölle, dieses Durcheinander von Arbeit und Freizeit und diese Ununterscheidbarkeit, also die Tatsache, dass Arbeit immer mehr den Anschein von Freizeit hat weil sie so Spaß macht, und mehr so stückweise, nichtlinear verläuft, und das auf der anderen Seite Freizeit immer mehr den Eindruck macht, als handelte es sich dabei um Arbeit. Also ich muss noch ausgehen, um Person X zu treffen, um über Y die Arbeit Z noch zu bekommen, also dieses ständige Aufrechterhalten eines informellen Netzwerks, und ich glaub die Möglichkeit, die hier im Lab besteht, ist halt die Möglichkeiten, und die Bedingungen, unter denen so was wie Arbeit und Freizeit statt findet auf eine relativ exemplarische Weise sichtbar zu machen, und auszutesten was die Grenzen davon sind, auszutesten, bis zu welchem Punkt es Sinn macht, dieses Durcheinander, arbeiten, feiern, reden schreiben, und an welchem Punkt das wirklich stört."
Manche scheinen unter derartigen Arbeitsbedingungen jedenfalls erstaunlich produktiv zu sein. Sebastian Lütgert hat schon eine ganze Reihe von Projekten ins Netz gestellt. Das wichtigste ist für ihn im Augenblick
textz-dot-com.
Sebastian Lütgert: "Und zwar ist das ein Archiv von Texten wie der Name schon sagt, das heißt, das ist eine Seite, auf der sich so was wie dreieinhalb Monate Text befindet, gemessen an einer mittleren Lesegeschwindigkeit irgendwie, und dabei handelt es sich einerseits um Texte die eh an anderer Stelle auch im Netz verfügbar sind, zu einem wachsenden Teil aber auch um Texte, die aus diversen Quellen, selbstgescannt, gecrackt, und so weiter in dieses Archiv gestellt worden sind, ohne dass ich also textz-dot-com das Copyright an diesen Texten beachten würde."
Für die Besucher der Seite hat textz-dot-com in erster Linie praktischen Nutzen. Für Sebastian Lütgert ist sie aber vor allem ein politisches Statement. Gegen den Versuch der Urheberrechtsindustrie die Welt nach ihren Vorgaben zu gestalten.
Sebastian Lütgert: "textz-dot-com teilt einfach nicht die These der Contentindustrie, dass den Rechteinhabern dieser ganze Content tatsächlich auch gehört, und dass sie die Einzigen sind die über die Verwertung dieser Inhalte zu bestimmen haben, sondern zeigt an einem kleinen Beispiel, dass es andere Formen gibt, mit auch geschützten Inhalten umzugehen, dass einem nicht unbedingt etwas passiert, wenn man das tut, und dass es möglich ist so eine Praxis auch weiter zu tragen."
Pit Schultz: "Es gibt verschiedene Credos hier, so einen gemeinsamen Konsens was man so will, aber der ist nicht so formuliert, es gibt auch keine in dem Sinn gemeinsamen Projekte, wo man sich gemeinsam an die Öffentlichkeit wendet, sondern das ist sehr heterogen, ein Konglomerat von Einzelprojekten, die dann halt bei Bedarf auch mal kooperieren, und das ist glaube ich schon das Neue daran, eben, diesem Medium entsprechend, der ganzen Fragmentierung in die verschiedenen Bereiche Sorge zu tragen, in dem die Organisation so offen ist, dass sich die einzelnen Module verbinden können aber nicht müssen. Also Dezentralität als Stichwort."
Der ständige Informationsfluss zwischen den Projekten bringt immer neue Ideen hervor. Die Leute die sie umsetzen können, und die Infrastruktur die dafür gebraucht wird, sind vorhanden.. Was fehlt ist die Finanzierung. In nächster Zeit sollen daher zusätzliche Strukturen aufgebaut werden, die besseren Zugang zu öffentlichen und privaten Töpfen ermöglichen. Dann kann das Lab vielleicht beweisen, das die offene kollaborative Arbeitsweise die dort gepflegt wird, durchaus mit gut dotierten Endwicklungsabteilungen mithalten kann.Auch wenn es den Wunsch nach formelleren Strukturen gibt, soll eines auf jeden Fall erhalten bleiben: Der Freiraum und die Offenheit, die das bootlab ausmachen.
Sebastian Lütgert: "Ich glaube es würde keinen Sinn machen, wenn hier nur Firmen oder werdende Firmen günstig mit einem kulturellen Umfeld Büros mieten würden, und andererseits würde es auch keinen Sinn machen wenn jetzt nur Künstler so ateliermäßig sitzen würden, und kein technisches Know-how da wäre, was insbesondere das Internet angeht, ich glaube irgendwie macht es eine Mischung von Leuten und eine Mischung unterschiedlicher Gebiete auf denen Leute arbeiten. Das ist ein sehr pragmatischer Zusammenschluss der es Leuten erlaubt, billig zu arbeiten, ohne die ganze Zeit schrecklich in irgendwelchen Medienzentren mit riesigen Glasfassaden repräsentieren zu müssen, was das tolle, neue Berlin ist."